© Lena Winkel
© Lena Winkel

»Ich könnte alles illustrieren…«

Lena Winkel im Interview

Kibitz Verlag, • Blog

Liebe Lena, danke erst mal, dass du dir für unseren Plausch die Zeit nimmst. Könntest du uns eingangs ein wenig über dich und deinen Werdegang verraten?

Salut und sehr gern! Ich bin Lena und von Beruf Illustratorin und Comicautorin. Daneben arbeite ich u.a. fürs Comicfestival Hamburg und das Kindercomicmagazin POLLE. Die Vergangenheit: Als ich für das Studium nach Hamburg gezogen bin, hatte ich bereits Kontakt zu einem kleinen Hamburger Verlag, dem KJM-Verlag (sie hatten mich aus den Weiten des Internets gefischt). KJM habe ich den Kontakt zu Andreas Greve zu verdanken, mit dem ich dann mein erstes Bilderbuch beim Schweizer Atlantis-Verlag herausbringen konnte. Das war mein Türöffner ins Illustrations- und Comicleben.

Wie kam es dazu, dass du Lass das Lesen, Leo! illustrieren durftest und was hat dir an Andreas Greves Geschichte so gefallen?

Lass das Lesen, Leo! war einer der vielen Texte, die Andreas noch in der Schublade hatte. Ich hatte das Privileg, mir von diesen Schubladentexten jene reservieren zu dürfen, von denen ich mir vorstellen könnte, sie irgendwann einmal zu illustrieren. Darunter war Leo. Ich fand Leos Eigensinn und leichte Schnöseligkeit direkt sympathisch, und die Geschichte wurde getragen von Andreas‘ trockenem Humor und Gespür für absurde Beziehungskonstellationen. Außerdem war Leo ein hybrider tierlicher Charakter, der sowohl anthropomorphisiert ist, gleichzeitig aber auch deutliches Hundeverhalten zeigt. Das ist immer interessant zu zeichnen. Ca. 2022 machten wir uns dann energischer auf Verlagssuche.

Wie hast du den Text adaptiert bzw. mit wem hast du deinen Ansatz dann besprochen?

Da Andreas leider als Gesprächspartner nicht mehr verfügbar war, habe ich meine ersten Skizzen vor allem mit Michael Groenewald von Kibitz besprochen. Darüber hinaus hat Andreas‘ Schwester draufgeschaut. Das hat zum Glück sehr gut geklappt und mich auch sehr beruhigt. Auch wenn ich sehr wünschte, ich hätte noch Andreas‘ Meinung dazu hören können.

Was muss eine Geschichte haben, damit du Lust hast, sie zu illustrieren?

Ehrlich gesagt habe ich mittlerweile das trügerische Selbstvertrauen, notfalls alles illustrieren zu können. Sprich: Wenn die Geschichte gut geschrieben ist und nah bei ihren Figuren bleibt, dann wage ich mich auch an Grundschulkinder und Kreuzberg (vgl. Rico und die Tuchlaterne). Lähmende Unlust überfällt mich, wenn der Text sich bewusst oder unbewusst über irgendwelche Personengruppen und/oder Spezies lustig macht und schädliche Stereotype reproduziert.

Du hast gerade auch ein Buch (50% Theorie, 50% Comic) zum Thema „Tiere richtig zeichnen“ veröffentlicht. Was magst du am Tiere zeichnen? Und welches Tier zeichnest du am liebsten?

Das Tierezeichnen hat für mich das Potenzial, als künstlerische Forschung Erkenntnisse über die kulturelle Konstruktion von Tieren zu gewinnen. Dieses Potenzial mag ich. Entsprechend zeichne ich alle Tiere gerne und stets voller Hoffnung auf Veränderung der Verhältnisse, aber selten richtig.

Was ist für dich das Besondere am Comiczeichnen? Hast Du beim Bilderbuchmachen einen anderen Ansatz? Was macht dir mehr Spaß?

Bilderbücher sind für mich langsame Comics, die mit ihren Illustrationen häufiger auf ein „fruchtbares Moment“ abzielen, das einen längeren Zeitraum symbolisch zusammenfassen soll, oder andersherum, Comics sind hektische Bilderbücher, die mit ihrer kleinteiligen Panelstruktur einen stärkeren Fokus auf das „Acting“ der Figuren erlauben. Doch grundsätzlich sind beides erst einmal Bilderzählungen, die durch die Architektur des Buches dieselbe Bandbreite an Erzählweisen ermöglichen, und entsprechend gibt’s in beiden „Genres“ Gegenbeispiele. Deswegen würde ich meinen Ansatz beim Bilderbuchmachen nicht als grundsätzlich verschieden vom Comicmachen beschreiben. Es gilt eher, sich auf eine andere Rhythmisierung einzulassen, und (wenn’s mehr in Richtung klassischer Comics geht) die Sprechblasen als Bühnenelement mitzudenken. Das funktioniert oder misslingt dann alles auf seine spezifische Weise, die wiederum nicht unabhängig von Thematik und Tempo der Geschichte zu denken ist. Ich gebe aber zu, dass ich grundsätzlich eher vom „langsamen“ Bilderbuch herkomme und vor allem das Umblättern der Seiten als narratives Element mit missionarischem Eifer verteidige.

Kannst du schon etwas zu neuen Projekten erzählen?

Diverse Auftragsarbeiten, die ich nebulös umschreiben kann: In der einen geht’s um die Hölle, die nächste handelt von einem Bären, bei der dritten ist ein Pferd auf dem Cover. Zwischendurch mache ich „was Eigenes“. Darin geht es um „die Zukunft“.